Lieferantenmanagement

Termintreue, Qualität, Preis, Liefersicherheit - die gewohnten Gradmesser für gute Geschäftsbeziehungen müssen erweitert werden. Menschenrechte und Umweltrisiken treten in den Focus der Lieferkette.

 

Lieferantenmanagement aus Kundensicht und Zuliefererperspektive:

 

Kaum eine andere Industrienation nutzt so intensiv die internationalen Lieferketten wie Deutschland. Selbst unter den Corona-Bedingungen von 2020 machten die rund 320.000 deutschen Export-Unternehmen einen Umsatz von 1,2 Billionen Euro. Etwa 775.000 deutsche Unternehmen importierten Waren im Wert von 1,0 Billionen Euro.

Dabei schätzen besonders die Textilindustrie (63 Prozent) und die Elektronik-Branche die verlängerte Werkbank in anderen Ländern und deren Rohstoffe. Weitere Spitzenreiter sind die chemische und pharmazeutische Industrie,  die Lebensmittelhersteller, die Autobauer und der heimische Maschinenbau.

 

Wie kann man eine solche Palette an notwendigen Zulieferern im Sinne des Lieferkettengesetzes prüfen?

 

Im Zuge der CSR-Maßnahmen können Unternehmen drei Positionen einnehmen:

  • on top als Großunternehmen, das seine wichtigsten Lieferanten überprüft

  • in der Sandwichposition, als Zulieferer mit eigenem Lieferantenstamm

  • als rohstoffnaher Hersteller weit unten in der Lieferkette

 

Wer wird geprüft und warum?

Grundsätzlich richten sich die Leitprinzipien der UN und die daraus abzuleitenden Sorgfaltspflichen an alle Betriebe, wie auch der seit 2016 geltende Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP). Dies war aber nie mit Sanktionen verbunden. Unternehmen, die ab 2023 oder 2024 der LkSG-Berichtspflicht nachkommen müssen, sollten dagegen so schnell wie möglich ihre wichtigsten Lieferanten risikofest machen.

Interesse an LkSG-Informationen zeigen nicht zuletzt die Zulieferer, welche sich auf intensivere Überprüfungen seitens ihrer Auftraggeber einstellen wollen. Je nach Stellung in der Logistik-Hierarchie ist man mehr oder weniger vom Lieferkettengesetz betroffen.

 

Aber bald können auch kleinere Unternehmen von weitergehenden EU-Regelungen getroffen zu werden, Diese sollten sich so bald wie möglich mit LkSG-Regelungen vertraut machen. Nützlich ist dieses Buchkapitel auch für Betriebe, die sich freiwillig der Nachhaltigkeit verschrieben haben und auf die Erfüllung der wesentlichen CSR-Anforderungen in der Lieferkette hinarbeiten. Aber auch die Gruppe der Stakeholder wird sich informieren wollen, wie sich das Risikomanagement nach LkSG in das Lieferantenmanagement integrieren lässt.

Dass ein kleineres Unternehmen in Deutschland in die Risikobetrachtung eines großen Unternehmens einbezogen wird, kann folgende Ursachen haben:

  • Der Risikomanager ist besonders gründlich und hat irgendein auffälliges und möglicherweise risikobehaftetes Merkmal beim Zulieferer gefunden.

  • Der Betrieb handelt mit Konfliktmineralien oder besonders gefährlichen Stoffen.

  • Es ist eine Beschwerde über einen Zuliefer bekannt geworden.

  • Oder man muss davon ausgehen, dass ein unmittelbares Lieferantenrisiko besteht, also „der Vor-Lieferant vom größeren Lieferanten“ [2. Ebene oder auch Tier II] mit seinen Waren im Risiko-Scan aufgefallen ist.

  • Weitergabe von Pflichten in der Lieferkette, siehe Folgezitat:

 

Das Unternehmen sollte durch vertragliche Ausgestaltung sicherstellen, dass die men­ schenrechtsbezogenen Erwartungen auch in der weiteren Lieferkette - d.h. durch Vorlieferanten - erfüllt werden, etwa durch die Vereinbarung von Weitergabeklauseln. Durch diese wird der Vertragspartner verpflichtet, den Lieferantenkodex auch gegenüber seinen eige­ nen Vertragspartnern durch geeignete vertragliche Regelungen durchzusetzen. Das Unter­ nehmen kann gegebenenfalls zusätzlich vertraglich festschreiben, dass der Vertrags­partner bestimmte Produkte nur von ausgewählten (zuvor geprüften) Lieferanten beziehen darf oder nachweisen muss, dass bestimmte Produkte aus zertifizierten Regionen oder Rohstoffe aus zertifizierten Schmelzen kommen (z.B. Chain of Custody Zertifizierung“).[1]

 

Wie können Lieferanten überprüft werden?

Klassische Lieferantenbewertungen funktionierten nach den Parametern wie Produktqualität, Preis und Lieferquote. In letzter Zeit wurde die Stabilität der Lieferketten, also die Verlässlichkeit, dass bestellte Ware auch rechtzeitig  eintrifft, zum Kernthema.

 

Nun erfordert ein LkSG-konformes Lieferkettenmanagement, dass Unternehmen die Themenpalette „Nachhaltigkeit, Menschenrechte, Umweltschutz“ auch noch in den Lieferantenbewertung berücksichtigen und irgendwie bemessen.

 

Die Bandbreite zwischen Unternehmen, welche in ihren Lieferanten-Abkommen bereits ökologische, soziale und ethische Themen untergebracht haben und denjenigen, die ein solch erweitertes Lieferantenmanagement erst jetzt per Dekret angehen, ist wahscheinlich groß. Hier kurz die wichtigsten Themen:

ökologische Verantwortung

 

  • soziale Verantwortung

  • Emissionen reduzieren

  • Zwangsarbeit und Kinderarbeit vermeiden

  • Ressourcen schonen

  • Gerechte Entlohnung und Arbeitszeiten

  • Energieeffizienz verbessern

  • Arbeits- und Gesundheitsschutz

  • Ökosysteme schützen

  • Diskriminierungsverbot, Korruption stoppen

  • Umweltschonendes Abfallmanagement

  • Arbeitnehmervertretungen zulassen

  • Abwässer fachgerecht aufbereiten

  • Altersvorsorge etablieren, u.v.m.

 

„Bei der Auswahl eines möglichen Vertragspartners sollen die menschenrechtsbezogenen Erwartungen des Unternehmens berücksichtigt werden.“

Um nicht für jedes Unternehmen einzelne Begutachtungskriterien aufstellen zu müssen, helfen  zertifizierbaren Umweltmanagementnormen, geprüfte Siegel und vereinheitlichte Fragebögen oder Audits bei der Bewertung von Lieferanten. Viele Standards, Übereinkommen oder Verhaltenskodizes enthalten ähnliche Formulierungen und Forderungen. In den Normverfahren (DIN ISO) werden auch Elemente abgefragt, die weit in den Bereich der Management-Verantwortlichkeiten, Nachhaltigkeitsplanung und die Mitarbeiter-Befähigung hereinreichen. Welche Form des Lieferantenmanagements auch gewählt wird - es hängt viel von den Kapazitäten ab, die ein Betrieb für die Nachhaltigkeitsbewertung bereitstellen kann – sowohl auf der Seite der Einkaufenden wie auch auf der Seite der Liefernden.

Über das konkrete Vorgehen informiert Sie das Buch "Der Lieferketten-Coach".

 

[1] Anhang LkSG, §6, Absatz 4, Nr.2